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© Archeopark Pavlov, 2017 design by Ondrej Hauser developed by Via Aurea

Die Stätte des Weltkulturerbes

Die archäologischen und anthropologischen Fundorte auf den Abhängen des Kalksteinkamms der Pollauer Berge stellen im Europamaßstab eines der bedeutendsten Siedlungsareale dar, welche der moderne Homo sapiens im Zeitraum vor 30 000 Jahren in Europa bildete.

 

Unter einer Decke aus kalkigen Lössen, welche später hier durch die Winde der Eiszeit angeweht wurden, blieben Grundrisse von Siedlungen, Feuerstellen, Reste von Werkstätten, Nachweise über die Herstellung von Werkzeugen und weitere Gegenstände aus dem paläolithischen Haushalt sowie Knochenabfälle von gejagten und verzehrten Tieren (Ablagerungen von Mammutknochen und Reste von weiteren Tieren) erhalten. Zu den wertvollsten Funden gehören die Skelette der Menschen selbst, Nachweise über neue Technologien, welche sie das erste Mal gerade hier anwandten, und schließlich auch Kunstgegenstände, durch die ihr ästhetisches Empfinden nachgewiesen wird.

 

Unsere einheimische Literatur spricht von „Mammutjägern“, die europäische archäologische Literatur von der paläolithischen Kultur des Gravettien (nach dem französischen Felsvorsprung La Gravette) und von der mährischen Kultur des Pavlovien (nach der Gemeinde Pavlov). Der Anfang jener Zeit lässt sich um die Zeit vor mehr als 30 000 Jahren und ihr Untergang vor rund 22 000 Jahren datieren.

 

Vom Gesichtspunkt der Ethnografie aus handelt es sich um sogenannte „komplexe Jäger-Sammler-Gemeinschaften“, für welche die Stabilität der Besiedlung und die innere Schichtung der Gemeinschaft kennzeichnend sind, und das ist eben das mährische Gravettien, welches sich am meisten den ältesten bekannten ersten Gemeinschaften dieses Typs annährt.

 

Aus archäologischer Sicht beweisen die Funde von Pavlov, Dolní Věstonice und Milovice die Existenz einer erfolgreichen paläolithischen Gemeinschaft. Die Funde in ihrer Komplexität geben eine Vorstellung von einem breiten Spektrum des Verhaltens und ermöglichen nicht nur die Tätigkeiten, Technologien und Beziehungen zur umgebenden Natur, sondern auch angenommene gesellschaftliche, symbolische und rituelle Strukturen, welche sich hinter diesen Tätigkeiten verbargen, zu untersuchen.

 

Die langfristige Erforschung der Jägersiedlungen unter den Pollauer Bergen zeigt, dass Mähren im Zeitraum des Gravettien für einige Jahrtausende als ein wirkliches zivilisatorisches und kulturelles Zentrum der damaligen Welt glänzte.

 

Das strategisch wichtige Gebiet, das den Osten und Westen des Kontinents verband, gewann seine Bedeutung durch eine Reihe von Technologien, wie Keramik, Weben von Stoffen oder Schleifen von Steinen. Es wurde auch das Quetschen von pflanzlicher Nahrung nachgewiesen. Alle diese Merkmale werden bisher als grundlegend für den Übergang zur landwirtschaftlichen Lebensweise nächste 10 000 Jahre später betrachtet.

 

Das mährische Gravettien als komplexes System stellt eines der erfolgreichsten Modelle der Adaptierung in der vorlandwirtschaftlichen Menschheitsgeschichte dar. Das Gebiet von Mähren besitzt eine weitere Bedeutung – durch das Zusammentreffen von Umständen lieferten unsere gravettienzeitlichen Fundorte die größte und nachweislich älteste Serie von Skelettresten des modernen Menschen, welche die Anthropologie heute zur Verfügung hat.