2.1 Ort des Welterbes

Typ des Exponats:  Videomapping – Animation

 

Im Rahmen des erweiterten mitteleuropäischen Raumes sind die Gravettien-Siedlungen zufällig verstreut. Das System von Siedlungen in strategisch günstigen Lagen, welche gewöhnlich die Täler von Flüssen kontrollierten, ist charakteristisch.

 

Im Gebiet der Gemarkungen Dolní Věstonice, Pavlov und Milovice kann der ganze Komplex solcher Siedlungen unterschieden werden. Sie sind grob gleich alt und intern nach bestimmten funktionellen Kriterien verbunden. Sie sind so gelegen, dass sie optimal der Strategie der Rudeljagd entsprachen. Sie bilden eine zusammenhängende Kette, die längs des nördlichen und nordöstlichen Fußes der Pollauer Berge läuft. Von der prominenten Spitze, wo sich die Burg Děvičky befindet, können alle Siedlungen beobachtet werden. Am besten ist selbstverständlich die Burg Děvičky sichtbar. In der Vergangenheit konnte diese Tatsache für die optische Fernsignalzur Koordinierung der Jagd dienen. Für die Mehrheit der Siedlungen ist eine Lage imkuppigen Gelände auf dem gleichen Höhenniveau von über 200 m ü. M. zu beobachten. Dies ermöglicht einen guten Überblick über der Bewegung des Wildes in der Talflur um 30-40 m weiter unten. Die Jäger konnten aus dieser Position die seitlichen Hohlwege sowie die Täler, die sich gegen den Hang richteten, kontrolierten. Hier konnte man das Tier treiben und schlagen. In diesem Falle bildet nur unsere neue Lokalität Milovice IV, die im Zentrum des Dorfes, fast auf dem Niveau der Flussaue liegt, eine Ausnahme. Sie blockiert mit ihrer Lage den Eingang in das Nebental von Milovice.

Einzelne Lokalitäten in dem Areal von Dolní Věstonice – Pavlov – Milovice haben auch eine eigene Hierarchie. Sie ist auch mit der Größe sowie mit der Komplexität von Aktivitäten, die wir hier auch belegen können, gegeben. Die grossen und komplexen Siedlungen Dolní Věstonice I und Pavlov I bedecken die Flächen von welche mehr als hundert Metern. Hier zeigen sich Reste von wiederholt gründeten Feuerstellen und gebauten Hütten, Abfall von Lebensmitteln und Herstellungstätigkeiten, die Spuren von Ritualen und endlich auch einzelne Gräbern von Jägern. Es kann vorausgesetzt werden, dass beide Fundorte ihre Funktion das ganze Jahr verfüllten. Eine grosse Siedlung stellt auch der Fundort Dolní Věstonice II dar. Die Spuren der Besiedlung sind allerdings nicht so intensiv. Sie dehnen sich eher auf der Fläche aus. Was die Gesamtzahl betrifft, so ist ihre Lebensdauer wohl länger, obwohl mit wiederholten Unterbrechungen. Diese Lokalität ist vor allem dank der antropologischen Funde berühmt geworden. Zu diesen gehören auch eine Dreifachbestattung, das Einzelgrab eines Mannes und eine Menge von Fragmenten menschlicher Knochen in der Umgebung. Der grosse Raum gehört zur Lokalität Milovice I. Hier dominiert der grosse Ablagerunsgplatz mit Mammutknochen. Die Besiedlung wiederholte sich hier in bestimmten Intervallen. Andere Lokalitäten, wie Dolní Věstonice III oder Pavlov II sind kleiner. Sie messen maximal mehrere Zehnermeter und wurden vermutlich nur saisonal besiedelt. Die neu entdeckte Lokalität Pavlov VI stellt praktisch eine einzelne Siedlungseinheit mit "Küchenausstattung" für die Verarbeitung des Fleisches und Resten von Tierknochen dar. Manche grössere Lokalitäten entstanden gerade im Verlaufe der Akkumulation solcher Siedlungseinheiten.

die Siedlungsstrategie (nach...)

 

 

 

 

 

 

Kurze Übersicht der Fundorte: Lage und Führung der Untersuchung

Dolní Věstonice I (Station von Absolon), Nationales Kulturdenkmal. Ein Komplex von Siedlungen aus dem Gravettien und der Mammutablagerunsgplatz im langezogenen Abhang eines Weinberges im östlichen Teil des Katasters. Im mittleren und oberen Teil wurden eigenständige Siedlungseinheiten (Hütten) abbegrenzt. Meereshöhe: 200–235 m ü. M. Untersuchung: K. Absolon (1924–1938), A. Bohmers (1939–1942), K. Žebera und. Kol. (1945–1946), B. Klíma (1947–1952, 1966, 1971–1979), J. Svoboda (1990, 1993).


Dolní Věstonice II (Cihelna, Nad cihelnou, Pod lesem), Nationales Kulturdenkmal.  Ein Komplex von Siedlungen aus dem Gravettien am östlichen Rand des Dorfes. Er zieht sich vom "Kalendář věků" (Kalender der Zeiten) über das terrassenförmige Terrain des Gipfels und des westlichen Abhangs bis zu dem Feld unter dem Wald (Lokalität IIa). Auf dieser Fläche befinden sich einzelne Siedlungseinheiten (Hütten). Auf der Nebenkluft liegt der Ablagerungsplatz mit den Mammutknochen. Meereshöhe: 200–250 m ü. M. Untersuchung: B. Klíma (1959–1960, 1985–1988), J. Svoboda (1985–1991, 1999, 2005); Lokalität IIa – E. Dania (1933), J. Svoboda und Kol. (1999, 2012).


Dolní Věstonice III (Rajny). Einzelne Siedlungseinheiten des Gravettien (und auf seiner Sohle offensichtlich auch des Aurignacien),  befindet sich auf dem steilen Abhang mit den Weinbergen zwischen den Lokalitäten I und II. Die Oberflächenfunde setzen sich auf dem Feld zum Wald fort (Sie stammen allerdings aus dem Aurignacien). Meereshöhe: 215–290 m ü. M. Untersuchung: B. Klíma (1969–1970), J. Svoboda (1993, 2012), P. Škrdla (1994–1995).


Pavlov I, Nationales Kulturdenkmal. Es handelt sich um eine reiche Siedlung aus dem Gravettien in zwei grossen Konzentrationen auf dem Feld, welches dem Dorf von Westen benachbartist. Die Siedlungseinheiten (Hütten) bedecken vorwiegend den südöstlichen Teil. Meereshöhe: 190-205 m ü. M. Untersuchung: B. Klíma (1952–1965, 1971–1972); J. Svoboda und Kollektiv (2013–2015).


Pavlov II. Kleinere Siedlung aus dem Gravettien am östlichen Rand des Dorfes, gegenwärtig schrittweise Errichtung von Einfamilienhäusern. Meereshöhe: 205-215 m ü. M. Untersuchung: B. Klíma (1966–1967), J. Svoboda und Kollektiv (2009–2010).


Pavlov III. Vereinzelte Steingeräte und Knochen aus dem Gravettien an der Wand der ehemaligen, gegenwärtig bereits aufgegebenen Lehmgrube an der Strasse von Pavlov nach Milovice. Meereshöhe: 180 m ü. M. Untersuchung: B. Klíma (1966, 1977–1980).


Pavlov IV. Oberflächenfunde von Steingeräten im Tal, das den südöstlichen Rand des Dorfes säumt. Meereshöhe: 210-250 m ü. M. Oberflächenuntersuchung: B. Klíma, J. Svoboda. 


Pavlov V (Děvičky). Oberflächenfunde von Steingeräten unter der Burg. Meereshöhe: um 360 m ü. M. Oberflächenuntersuchung: B. Klíma, A. Přichystal.


Pavlov VI. Isolierte, komplett erhaltene Siedlungseinheit des Gravettien am östlichen Rand des Dorfes nach Milovice. Meereshöhe: 215 m ü. M. Untersuchung: J. Svoboda und Kollektiv (2007).


Milovice I (Region Mikulov über der Strasse). Ein Komplex mit Siedlung und Mamuttenablagerungsplatz im Tal südlich des Dorfes an der Strasse nach Mikulov. An der Sohle des Gravettien verläuft eine dünnere Schicht des Aurignacien. Meereshöhe: 230–240 m ü. M. Untersuchung: B. Klíma (1949, 1986), M. Oliva (1986–1991).


Milovice II (Waldfleck, Marktsteig). Oberflächenfunde von Steingeräten auf dem kleinen Berg nördlich von Fundort I. Meereshöhe:  220 m ü. M. Durchgängige Oberflächenuntersuchung: Hofrat Beigl (1927), B. Klíma (durchläufig), M. Oliva (1988), A. Verpoorte und M. Žemla (1999).


Milovice III (Brněnský, Strážný kopec). Vereinzelte Funde. Meereshöhe: 220–265 m ü. M. Durchgängige Oberflächenuntersuchung: J. Lavický (30-er des 20. Jahrhundertsí), B. Klíma (1984), J. Svoboda (1985), M. Oliva, A. Verpoorte und M. Žemla (1999).


Milovice IV(Innenraum). Vermutlich umfanreiche Siedlung des Gravettien unter der Bebauung des Dorfes.Meereshöhe: 180 m ü. M. Untersuchung: J. Svoboda und Kol. (2009–2010).

Pálava