4.1 Vergleich der Schädel des Neanderthalers und des anatomisch modernen Menschen

Typ des Exponats: Kopie (Gips)

  • 4.1-1 (links) – Schädel des klassischen Neandertalers (ideale Rekonstruktion)
  • 4.1-2 (rechts) – Schädel des anatomisch modernen Menschen(Lok. Crô-Magnon, Frankreich, Alter: 35 000–30 000 Jahre)

 

Gegenwärtig befindet sich nur eine Population, d.h. die des  Homo sapiens auf der Oberfläche unseres Planeten. Diese erfolgreiche Population erweiterte ihren Siedlungsraum zuerst in den tropischen Räumen von Südasien und Australien und dann, vor 50 000-3000 Jahren drang sie in einigen Wellen auch in die kühleren und trockenen Zonen des damaligen Europas und Nordasiens vor. Ihre Kulturen, zuerst das Aurignacien und das Gravettien, brachten diese moderne Populationen weder aus dem trophischen Afrika noch aus dem klimatisch gemäßigtem Mittelmeergebiet mit. Ihre Kultur stellt demgegenüber einen Ausdruck der vollkommenen Adaptation an die kalten Bedingungen der neuen Umwelt dar, welche die Neuankömmligen hier antrafen. Es kann nicht ausgeschlossen wurden, dass neue, schon aussterbende Eingeborene (Neanderthaler) daran teil genommen haben.

Die Neanderthaler (Homo neanderthalensis) stellen eine entwicklungsgeschichtlich erfolgreiche, heute schon ausgestorbene Entwicklungsform des Menschen dar. Die Ursache seines Aussterbens ist bisher nicht ganz klar, obwohl mehrere Gründe existieren. Es handelt sich z.B. um die geringere Fähigkeit mit dem anatomisch modernen Menschen zu konkurrieren. Hauptsächlich waren sie nicht in der Lage, kulturell und ökonomisch ausreichend auf die gewandelten, natürtlichen Beingungen im Verlaufe der letzten Phase der Eiszeit zu reagieren.

Im Vergleich mit dem Skelett des anatomisch modernen Menschen zeigt es sich, dass die Neanderthaler kleiner und robuster waren (Männer um 160–165 cm, Frauen um  150–155 cm). Sie hatten ebenfalls kleinere, untere Extremitäten und Unterarme. Der Schädel länger, warniedriger gewölbt und wies deutliche Überaugenwülste auf. Das Skelett des  anatomisch modernen Menschen ist höher und grazilier (Männer um 180 cm, Frauen um 160 cm). Der Schädel ist kurz und hoch. Der Frontschädel hat keinen Überaugenwulst. Die Kapazität des Gehirns ist (gegenüber dem Neanderthaler) nicht wesentlich höher.

Homo neanderthalensis (Foto: M. Frouz) Homo neanderthalensis (Abbildung: P. Dvorský) Homo sapiens (Foto: M. Frouz) Homo sapiens (Abbildung: P. Dvorský)