8.2 Spaltindustrie aus Stein - retuschierte Geräte

Stichel

Material: Stein - Feuerstein  (Eraktischer Silex)

Typ des Exponats: Original

Fundort: Pavlov I (Pavlov bei Dolní Věstonic, Mähren), Dolní Věstonice II (Dolní Věstonice, Mähren)

Die Stichel gehören zu den charakteristischen Geräten aus dem Jungpaläolithikum. Sie wurden vorwiegen zur Bearbeitung von Knochen benutzt. Sie sind mit dem verschärfenden, sog. Stichelschlag hergestellt, der gegen die Querkante des Gerätes geführt wurde. Hier bildet er den scharfen Arbeitsbereich. Stichele können entweder nach der Lage des Schlags (keilförmige, kantenartige, gebrochene, quere Stichel), oder nach dem gesamten Charakter (bogenartige, kanelierte, flache Stichel) klassifiziert werden.


Kratzer/ Schaber

Material: Stein - Feuerstein  (Errattischer Silex), Radiolarit

Typ des Exponats: Original

Fundort: Pavlov I (Pavlov bei Dolní Věstonice, Mähren), Dolní Věstonice II (Dolní Věstonice, Mähren)

Die Kratzer stellen ein weiteres typische Gerät im Jungpaläolithikum dar. Sie konnten unterschiedlich verwendet werden. Es handelte sich z.B. um die Verarbeitung und die Reinigung von Ledern, Pelzen und Knochen. Sie wurden vowiegend auf der Basis von Klingen, Sticheln oder gröberen Bruchstücken gefertigt. Es handelte sich häufig um die Bearbeitung des Schlussteiles in Form des charakteristischen, häufig bogenartig retuschierten Kopfes. Nach Gestalt, Grösse oder dem ursprünglichen Halbprodukt können die Kratzer in Klingen-, Stichel-, Nagel-, Hoch-, Bruch-, vostehene u.a. Kratzer eingeteilt werden.


Kratzer

Material: Stein – Hornstein

Typ des Exonats: Kopie des Orginals (Gips)

Fundort: Pavlov I (Pavlov bei Dolní Věstonice, Mähren)

Lagerung: Archäologisches Institut der Akademie für Wissenschaften Brünn Untersuchungsgesellschaft für Wissenschaften, Tschechische Republik

Der Kratzer stellt die gröbere, massivere Form der Schaber? dar. Er ist aus einem Abschlag hergestellt, mit dickerer Retusche an einer Seitenkante.


Retuschierte Klingen

Material: Stein - Feuerstein (Erratischer Silizit)

Typ des Exponats : Original

Fundort: Dolní Věstonice II (Dolní Věstonice, Mähren)

Die retuschierten Klingen stellen den häufigsten Gerätetyp des Jungpaläolithikums dar. Sie haben eine oder zwei Kanten, die mit kontinuierlicheR, kleineR Retusche hergerichtet sind und wurden häufig als Messer verwendet.


Spitzen

Material: Stein - Feuerstein (Errattischer Silizit)

Typ des Exponats : Original

Fundort:  Pavlov I (Pavlov bei Dolní Věstonice, Mähren), Dolní Věstonice II (Dolní Věstonice, Mähren)

Ausser den charakteristischen Spitzen mit einer stumpfen Querkante, die mit einer Querretusche  (Exponat 5.2) abgestumpft ist, wurden im Gravettien die einfacheren, zur Spitze retuschierten Klingen verwendet. Sie können auch in typische "zobce" übergehen.


Mikrolithen

Material: Stein – Feuerstein (Eraktischer Silizit), Radiolarit

Typ des Exponats: Original

Fundort: Pavlov I (Pavlov bei Dolní Věstonice, Mähren), Dolní Věstonice II (Dolní Věstonice, Mähren)

Die sehr kleinen, mikrolithischen Geräte, welche häufig als Mikrolithe bezeichnet werden, sind für das Gravettien in Mähren typisch. Ihr charakteristisches Merkmal stellt die Abstumfung einer Kante dar. Vom morphologischen und typologischen Gesichtspunkt sind sie sehr unterschiedlich. Es handelt sich um kleine Klingen mit abgestumpfter Kante, mikrolithische Spitzen (sog. Mikrogravetten), Sägen (Mikroklingen mit abgestumpfter Kante und gegenüberliegender, gezähnter Retusche), geometrische Mikrolithe (Dreiecke, Trapeze, Halbmonde) und die ganze Skala von Übergangsformen. Ihre Verwendung war unterschiedlich. Sie wurden vermutlich in kontinuierlichen Reihen in Aufsätze aus Holz und Knochen, Köpfe von Speeren oder Harpunen eingesetzt. Mit Hilfe von unterschiedlich gestalteten Mikrolithe konnten ebenfalls sehr komplizierte Typen von Spitzen oder spezialisierte Typen von Geräte, die anders nicht hergestellt werden konnten, vorbereitet werden.

der Keilstichel (nach Klíma 1956) andere Typen des Schrappers (nach Klíma 1956)