9.4 Mineralischer Farbstoff und Rekonstruktion seiner Bearbeitung

Die Bedeckung der Körper derToten mit rotem Farbstoff stellt ein charakteristische Merkmal des Bestattungsritus‘ im jüngeren Paläolithikum dar.

 

Materiál: Stein– Steintafel, Flussgerölle, Stücke von mineralischem Farbstoffe

Typ des Exponats: Original

Fundort: Pavlov I (Pavlov bei Dolní Věstonice, Mähren)

 

Im Dreifachgrab aus Věstonice kam der Farbstoff als Bedeckung im pulverförmigen Zustand und in Form kompakter Bruchstücke und einer festen Kruste auf den Schädeln vor. Die Verwendung des Farbstoffes zweifellos eine rituelle Bedeutung. Es handelte sich vermutlich um ein Symbol des Blutes oder des Lebens.

Der Farbstoff wurde häufig durch Zerkleinerung von Eisenerzen, wie z.B. von Hämatit, Limonit mit Hilfe von Kieselbrechern auf Steintafelngewonnen. Das zermahlte Pulver wurde mit Wasser oder dem Fett gemischt. Im Areal der Siedlungen in Dolní Věstonice und Pavlov befinden sich Stücke von Hämatit in zwei Formen. Es handelt sich entweder um grössere, feste Bruchstücke, die aus entfernteren Gebieten des Böhmischen Massivs stammen können, oder um kleine, erdige Schollen von dunkelroter Farbe, die sich in der näheren Umgebung, in Sichtweite auf Pálava befinden. Der Vergleich von Abrieben der stichprobenweise ausgewählten Schollen zeigte mindesten acht Farbtöne, d.h. eine überraschend vielfältige Farbskala.